| Die Wege kreuzen sich |
Der Zimmermann: 4 Bretter und 2 Platten- zusammengenagelt. Der Maler: 1 Topf schwarze Farbe. Marie ist auf dem Weg zur Apotheke. Eine Rolle Schlaftabletten- abschalten für immer. Die Erinnerung des Lebens kostet 8,90 DM. Der Freund von Marie heißt Einsamkeit. Vielleicht auch Depression. Der Totengräber: Ein Spaten blankgeschliffen- ein schwarzes Loch, 1,80 m tief. Dann ist sie zu Hause. Duschen, Zähneputzen, Haare fönen, und sie zieht sich hübsche Kleider an, und sie sieht einfach himmlisch aus. Die Wohnung: Sauber, wie geleckt, Staub gewischt und auch der Teppich schon gesaugt. Den Schrank poliert. Der Maler: Hat den Sarg lackiert. Der Meister: Meißelt Grabsteinnamen in den Marmor. Marie holt ihr Glas- Gin tonic, fast zum Rande voll. 20 Stück sind in der Rolle. Sie setzt sich an`s Fenster. Ein Blatt Papier, ein Stift, ein Sinn. Abschiedsbrief, der Dritte an diesem Tag. Wer nichts mehr fühlen kann, kennt keine Worte mehr. Die Zeit geht weiter unbeirrt, 23 Uhr- die Realität verzieht sich in die Nacht. Marie schließt ihre Augen... Guten Morgen, Sonnenschein", strahlt der Zimmermann. Der Maler streicht die Särge grün, der Apotheker öffnet die Eingangstür so wie an jedem Tag um 9. Der Meister steht vor`m Marmorstein, die Menschheit kennt nur einen Namen, der Totengräber gräbt das nächste Loch, die Welt verändert sich in 1000 Jahren 20 mal. Spinnweben hängen in jeder Ecke. Auch an dem einst polierten Schrank, das ist schon alles lange her... Ein Freund erschien und las den Brief, Marie war längst zu Haus. Die Welt erschien und merkte nichts, die Sonne schien mit halbem Licht, Marie war längst daheim. Auf dem Friedhof: Steht ein Pfarrer, Staub zu Staub, der Rest ist Schweigen... |
| zur Hauptseite |
| Copyright © 2002 by Heino Basse |