Goldener Hahn

Goldener Hahn


Hoch über den Dächern, auf dem Kirchturm so spitz,
habe ich schon seit Jahren meinen luftigen Sitz,
bei Sonn’ und bei Regen halte ich es hier aus,
meine Aussicht ist toll, seh’ von hier jedes Haus,
Norden, Süd, Osten , West, kann von hier alles sehn,
lasse mich auch ganz gern vom Wind herumdrehn.
Mich kennt jeder Vogel, mancher macht bei mir Rast,
neulich war auch ein Luftballon bei mir zu Gast,
dieser blieb halt nicht lange, dies’ ist nicht sein Leben,
ich sah ihn als Punkt noch am Horizont schweben.
Mein Gefieder aus Gold glänzt so prächtig und schön,
man kann mich von fern schon von überall sehn.
Flugzeuge, die mag ich gar nicht so gern,
sie verpesten die Luft mir und machen nur Lärm,
dagegen die Glocken, die großen und kleinen
die verkünden, ob Menschen lachen, ob weinen,
diese höre ich gern, wunderschön ist ihr Klang,
manchmal höre ich aus der Kirche Gesang,
da freu’ ich mich so, dass ich hier oben bin
und spüre ganz deutlich, ich gehöre hier hin.
Meine Freundin, die Sonne, lässt mich leuchten ganz hell,
der Mond und die Sterne, die abends zur Stell,
senden mir auch ihr Licht, dieses ist halt ganz matt,
da schlafe ich tief und mit mir schläft die Stadt.
Es tut mir zwar leid, dass ich nicht krähen kann,
dennoch stehe ich gerne am Kirchturm als Hahn!




Copyright © 2005 by Renate Harig