| Der falsche Name |
"Woher hast Du denn unsere Telefonnummer, wir stehen doch gar nicht im Telefonbuch", sprach meine Frau zu ihrer Bekannten. "Doch, die steht drin, unter dem Namen Bosse !" "Ach nein, das gibt`s doch nicht. Kaum jemand schreibt unseren Namen richtig - Basse, das ist doch nun wirklich nicht schwer. Ich bin beim Arzt: "Frau Busse, die nächste bitte...", der OTTO - Versand schreibt. "Sehr geehrte Frau Hasse, das neueste Angebot...", die NKL, die SKL: "10 Millionen Frau Base, das ist ihr möglicher Gewinn..." Ich holte das Telefonbuch hervor. Bosse stand da. Schnurstracks setzte ich mich an den Schreibtisch und schrieb an die Telekom, daß mein Name im Telefonbuch nicht richtig geschrieben sei, sie mögen das doch bitte ändern... Nach einem halben Jahr erschien die neue Ausgabe, und wir standen nicht mehr unter dem Namen Bosse im Telefonbuch, sondern unter dem Namen Basso. Jetzt reichte es mir, langsam ging mir die Namenssache auf den Keks. Ich dachte an die ältere Frau aus den USA, die sich an einem Pappbecher einer der größten Schnellesser - Kette verbrannt hatte und natürlich auf Schadensersatz wegen Körperverletzung geklagt hatte. Ich ging zu einem Rechtsanwalt und erkundigte mich nach meinen Erfolgsaussichten, wenn ich wegen Verletzung der Persönlichkeitsrechte klagen würde. "Es hat so einen Fall noch nicht gegeben" sprach er, "aber versuchen können wir es ja". Und ich versuchte. Meine Klage wegen meines falsch geschriebenen Namens ging quer durch die Medien. Freunde hielten mich für verrückt, beneideten mich wegen der 2 Mio. DM, die ich als Schmerzensgeld forderte und fingen an, verzweifelt Telefonbücher zu studieren. Es folgten anstrengende Interviews und selbst die Wild-Zeitung brachte die Schlagzeile auf die erste Seite. Diese Schlagzeile brachte mich fast um den Verstand: "BUSSO KLAGT - MEIN NAME WURDE FALSCH GESCHRIEBEN...Der 30 jährige H. Busso versteht die Welt nicht mehr, überall reden sie ihn mit dem falschen Namen an, ob Ärzte, Krankenkassen, Werbefirmen - sie alle schreiben seinen Namen falsch. Jetzt ergreift Herr H. Busso die Initiative..." Ich holte meinen Ausweis aus der Hosentasche. Dort stand - Basse. Ich bekam erste Zweifel. Auf der Landkarte hatte ich einmal gesehen, daß es einen Ort mit dem Namen "Basse" gibt, ca. 40 km von der Stadt Nienburg entfernt. Würde es helfen, in diesen Ort zu zieh`n ? Wären dann alle Zweifel begraben ? Ich wollte es ausprobieren... Ich zog mit meiner Familie in den Ort "Basse" und wurde herzlichst begrüßt. Viele Menschen kannten mich schon aus der Zeitung, sie sprachen mich fast nur mit Herrn Busso an, es wurde eine schwere Zeit... Der Bürgermeister staunte nicht schlecht, als ich ihm sagte, ich hieße Basse, deshalb sei ich in den Ort Basse gezogen. "Ich möchte mich gerne als Ehrenbürger eintragen lassen, sofern das möglich ist, ich habe meine Namensverwechslungen satt." "Von mir aus können Sie sich hier als "Erdenbürger eingraben" lassen, aber Ehrenbürger ? Haben Sie etwas Großes vorzuweisen ? Kleinlaut erwiderte ich: " Ich habe eine große nervliche Belastung und eine große Niederlage, was meine Namensklage betrifft, hinter mir..." "Nun ja, da kann ich selbst als Bürgermeister nichts machen. Auf jeden Fall hat es mich erfreut, Sie kennenzulernen, Herr Bassen, ich wünsche Ihnen in unserem Ort alles erdenklich Gute." Mir wurde schwarz vor Augen... Als ich im Krankenhaus erwachte, wollte es der Zufall, daß mein Bettnachbar ein gewisser Herr Bossen war, der Chefarzt hieß Dr. Med. Bose, ich hatte nicht das Gefühl, daß ich gut aufgehoben sei und wurde zum Glück nach drei Tagen entlassen. "Herr Buse leidet an einer paranoiden Shizophrenie", hieß es im abschließenden Krankenbericht... Es folgten endlose Gespräche mit meinem Psychoanalytiker, es ging mir dennoch schlechter und schlechter. Eines Tages ergriff mich die absolute Panik. Was würde sein, wenn ich nicht mehr sein würde ? Was würde irgendwann auf meinem Grabstein stehen ? Ich suchte den Pfarrer des Ortes auf, erzählte von meinem langen Irrweg und meiner Sorge, erinnerte mich an die Worte des Bürgermeisters und beschloß, schon mal ein Plätzchen zu kaufen. Dafür brauchte der Pfarrer eine Unterschrift... "Herr B a s s e, sie brauchen nur hier unten ihre drei Kreuze zu machen..." "Ein Kreuz reicht mir", dachte ich, doch w a s (?) hatte er gesagt, "Herr Basse" ? Passierte jetzt etwas Großes, ein Wunder vielleicht ? Mit einem Mal fühlte ich mich göttlich. Das Leben schien in mich einzudringen, die Wahrheit, die unendliche Weisheit packte mich, Selbstsicherheit erfaßte mich. Entschlossen nahm ich den Kugelschreiber in die Hand, den der Pfarrer mir lächelnd entgegenhielt. Ich schloß kurz die Augen, genoß diesen Moment und unterschrieb mit meinem Namen. Schwungvoll setzte ich den Namen... " H. Nase " auf das Blatt, zuckte kurz zusammen, runzelte die Stirn und übergab dem Pfarrer das wertvolle Papier... |
| Ende |